HDM - Hochschuldidaktisches Netzwerk Mittelhessen
Print this page

Reflexivität

Hochschullehre ist in verschiedene Kontexte und Horizonte eingebunden, die oftmals bei der Gestaltung des Unterrichts nicht thematisiert werden oder als nebensächlich erscheinen. Diese Rahmenbedingungen aufzudecken und bewusst für die Gestaltung von Lehr- und Lernmethoden nutzbar zu machen, ist angesichts des rasanten Wandels der Hochschule in den letzten Jahren geboten. Dies sowohl in wissenschaftstheoretischer Hinsicht, wenn es um die Beziehung von Forschungsgegenstand und Lehrmethode sowie den interdisziplinären Austausch geht, aber auch in gesellschaftspraktischer Hinsicht, wenn man Hochschullehre im Hinblick auf gesellschaftliche Anforderungen und Verantwortlichkeiten befragt.

Zur wissenschaftlichen Lehre gehört eine Reflexivität auf das Wissenschaftssystem. Dies bedeutet insbesondere bewusste Selbstverortung des bzw. der Lehrenden im Kontext der Hochschule, Reflexion auf lebensweltliche Gebundenheit wissenschaftlicher Lehre und Forschung und Grundlagen zur Wissenschaftstheorie.

Zum einen ist die Hochschule kein geschichtsloser Ort. Die Hochschul- und Wissenschaftsgeschichte liefert die Kenntnisse für ein reflektiertes Verständnis der akademischen Institutionen in sozialen und politischen Bezügen, sowie der eigenen Rolle als Lehrende bzw. Lehrender darin. Im HDM besteht erstmals die Chance, auch die jeweils spezifischen Profilelemente in der Entwicklung von Universitäten und Fachhochschulen sichtbar zu machen und daraus Synergien und Kooperationsfelder abzuleiten.

Weiterhin gilt es, einen Einblick in die Spezifika der eigenen und fremden, fachspezifischen Weltzugänge zu gewinnen. Lehrende können sich auf dieser Grundlage kritisch zu den eigenen Lehrinhalten verhalten und die Dimension der Interdisziplinarität in ihrer eigenen Lehre verankern. Im Kontext von Wissenschaftstheorie wird Reflexivität hinsichtlich eigener Erkenntnisgrundlagen und -grenzen vermittelt.

Dies gilt sowohl hinsichtlich unterschiedlicher didaktischer Kulturen, die in den verschiedenen Fächergruppen vorhanden sind, als auch in Bezug auf die jeweiligen wissenschaftlichen, aber auch auf die didaktischen Grundsätze und Methoden. Dieser Dialog dient damit sowohl dem Austausch über verschiedene Lehrformen als auch einer Überwindung der Distanz zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten, was angesichts der zunehmenden Komplexität von Fragestellungen in Wirtschaft und Gesellschaft immer wichtiger wird.

Reflexivität bedeutet auch, die Eingebundenheit der Wissenschaft und Lehre in soziale, politische und kulturelle Kontexte zu begreifen. Die Verantwortlichkeit der Hochschullehre in einer offenen Gesellschaft drückt sich im Bewusstsein ihrer Lebensweltgebundenheit und Rolle für sozialen Wandel aus. Hierzu zählen auch eine Annäherung zwischen Theorie und Praxis bzw. Wissenschaft und Alltag. Lehre ist dabei nicht nur als Dienstleistung, sondern auch als Kulturleistung auszugestalten.

zurück